In meiner Umfrage zum Thema “Contact Value” in sozialen Online-Netzwerken befrage ich Multiplikatoren und Netzwerker, die die europäische Business-Kontaktplattform Xing intensiv zum Austausch nutzen. Mein erster Interviewpartner ist Christian Henner-Fehr, Journalist und Kulturmanager, Netzwerker aus Österreich, Blogger.
Seit wann nutzen Sie Xing? Wieviele bestätigte Online-Kontakte befinden sich in Ihrem Portfolio?
Mitglied bei Xing bin ich seit August 2005; seitdem nutze ich das Netzwerk halbwegs regelmäßig. Mal mehr, mal weniger, wie es die Zeit erlaubt. Derzeit habe ich 125 bestätigte Kontakte, allerdings habe ich erst in letzter Zeit damit begonnen, mich aktiv um neue Kontakte zu kümmern.
Welchen konkreten Wert messen Sie diesen Kontakten bei? Mehr privat oder beruflich oder beides? Mehr geschäftlich, auftragsbezogen oder mehr informeller Natur?
Eigentlich nutze ich Xing nur beruflich und verfolge daher wie die meisten Xing-Mitglieder geschäftliche Interessen. Dabei haben sich meine Ziele aber im Laufe der Zeit verändert. Als ich 2005 Mitglied bei Xing geworden bin, ging es mir darum, als Journalist interessante Unternehmen aus dem IT-Bereich zu finden, über die es sich zu berichten lohnt. Das hat, wenn ich zurück blicke, nicht besonders gut funktioniert.
Seit Anfang 2007 nutze ich Xing vor allem für meine Tätigkeit als Kulturmanager. Dabei geht es mir nicht darum, direkt über Xing Aufträge zu lukrieren, sondern eher um die Kontaktaufnahme. Da hier fast ausschließlich Menschen sind, die offen für neue Kontakte sind, ist das ein ideales Umfeld.
Natürlich verfolge ich letzten Endes das Ziel, neue Kunden zu gewinnen, aber Xing ist als Social Network nur Teil einer Gesamtstrategie, bei der es darum geht, das Interesse möglicher Kunden zu wecken. Das funktioniert, denke ich, indem man Vertrauen aufbaut, das wiederum auf Kompetenz basiert. Diese versuche ich über mein Weblog zu zeigen, das heißt, alle Kommunikationskanäle – und dazu gehört auch ein Social Network wie Xing - dienen dazu, Menschen auf mich bzw. mein Weblog aufmerksam zu machen. Daher mache ich auf Xing das, was viele Mitglieder machen: ich spreche Menschen an, nehme Kontakt auf und schaffe so die Möglichkeit, sie später ansprechen zu können.
Haben Sie bereits über neue Kontakte bei Xing Aufträge und Umsätze generiert? Wieviele Aufträge und/oder Projekte ergaben sich schätzungsweise?
Ja, das ist schon vorgekommen, allerdings ist es die Ausnahme. Ich weiß zwar nicht genau, wie viele, aber es sind noch keine zehn Aufträge. Aber darum geht es mir, wie gesagt auch nicht unbedingt. Ziel ist es eher, auf sich aufmerksam zu machen, Kontakte aufzubauen und zu pflegen.
Was sind nach Ihrer Ansicht die Vor- und Nachteile solcher Plattformen wie Xing, was Zeitaufwand und Nutzen betrifft?
Ich würde bezüglich Zeitaufwand und Nutzen nicht von Vor- oder Nachteilen sprechen. Es hängt natürlich davon ab, was die einzelnen Mitglieder auf der Plattform suchen. Ich kann für mich sagen: je mehr Zeit ich in Xing investiere, desto größeren Nutzen ziehe ich für mich daraus. Der besteht für mich in Sozialen Netzwerken im Aufbau von Beziehungen, die auf dem Tauschprinzip aufbauen. Es geht um Tauschmöglichkeiten, die bei Bedarf eingelöst werden können. Insofern ist jeder Kontakt eine Art Option. Allerdings muss ich auch etwas dafür tun, damit mir diese Option erhalten bleibt, sonst reißt das Band und mein Kontakt wird zu einem, mit dem keine Tauschmöglichkeiten bestehen.
Wie hoch schätzen Sie die Glaubwürdigkeit der angegebenen Nutzerdaten solcher Kontaktplattformen wie beispielsweise Xing ein?
Ich muss gestehen, dass ich in dieser Hinsicht noch keine schlechten Erfahrungen gemacht habe. Daher gehe ich eigentlich immer davon aus, dass die angegebenen Daten stimmen.
Welchen Wert messen Sie persönlich Ihrem eigenen Datenschutz und Selbstschutz bei. Ist Ihnen bewußt, dass beispielsweise die Veröffentlichung Ihres Kontaktprofils mit der Option, Suchmaschinen sollen abgewiesen werden, in der Praxis nicht immer funktioniert und Ihre Daten wie berufliche Laufbahn im Netz dauerhaft archiviert wird (z.b. bei archive.org) ?
Für mich haben Daten- und Selbstschutz eine sehr große Bedeutung und das obwohl oder gerade, weil die Eingabe meines Namens bei Google zu mehr als 10.000 Treffern führt. Das heißt, ich möchte durchaus über die Suchmaschinen gefunden werden, damit sich meine berufliche Kompetenz nachverfolgen lässt.
Aber ich achte sehr genau darauf, was über mich im Internet zu finden ist. Wichtig ist, dass meine Kompetenz in Sachen Kulturmanagement aufscheint, alles andere hat im Internet nichts zu suchen. Daher vermeide ich normalerweise Statements zu politischen, religiösen und privaten Themen. Erfolgen sie dennoch, dann habe ich mir zumindest Gedanken darüber gemacht, ob ich das will oder nicht.
Danke für Ihre Zeit!
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